Konfliktprofile und Frauentypen
Die Harte, scheinbar Skrupellose
Steht ihren Mann im Beruf, bekennt offen ihren Egoismus („Ich weiß, dass ich egoistisch bin, aber sonst gönnt mir ja keiner was“). Erprobte Single-Frau, mit oder ohne Partner, total autonom („Es ist alles machbar“), selbstverwirklicht. Ein Kind bedeutet in ihren Augen Abhängigkeit, Verlust der Selbständigkeit, Einbuße von Freiheit und finanziellem Überfluss, beruflicher Abstieg, Übernahme langfristiger Verantwortung.
Was die Beraterin im Auge hat: Entwicklung von Bindungsfähigkeit als Gegenpol zu übertriebener Autonomie, Entdeckung von Schwächen und Bedürfnissen ermöglichen, weg vom puren Leistungsdenken hin zur Hingabe als Sinnstiftung.
Die Gesprächsoffene, scheinbar Freundliche
Schwer zu durchschauen, bedacht auf Distanz, innerlich verhärtet. Masken der Freundlichkeit: interessiert, angenehm, dankbar. Lernbereit, aber nur so weit, wie es nicht weh tut. Grundproblem: Lebensangst, Konfliktscheu, Kompromiss um jeden Preis. Ein Kind bedeutet in ihren Augen Abwägung und Überforderung.
Was die Beraterin im Auge hat: Die glatte Fassade der Freundlichkeit zu durchdringen, Selbstvertrauen zu stärken, das Kind nicht als Konflikt, sondern als Chance zum Glück zu begreifen.
Die Zerrissene, schwankend zwischen Zuversicht und Zweifeln
Lebt mit der Idealvorstellung: Fester Partner, Heirat, Hausbau, Beruf, Kinder. Kommt oft selbst aus zerrissener Familie, will es besser machen („Mein Kind soll glücklich werden, geborgen und sicher aufwachsen“). Erst Sicherheiten (Nest, Beziehung), dann Kinder. Klammert sich an (nicht selten ungesunde) Beziehungen. Schwarz-Weiß-Denken. Eine plötzliche Schwangerschaft bedeutet in ihren Augen: Schock, der bunte Lebenstraum platzt oder rückt in unerreichbare Ferne.
Was die Beraterin im Auge hat: Vertrauen schaffen, dass die konkreten, realen Lebensumstände zu meistern sind. Welt und Leben sind immer ein Risiko. „Ich muss nicht erst perfekt sein und perfekte Möglichkeiten geschaffen haben, um eine gute Mutter zu sein“.
Die „neue Frau“ – beziehungsschwach, bindungsunfähig
Nach der 68er Revolution geboren, keine existentielle Bedrohung erlebt, immer in materieller Sicherheit gelebt. Verzicht unbekannt. Sie ist überzeugt: Für Geld ist alles zu haben. Häufig ohne sachliche Orientierung, ohne persönliche Vorbilder. Dafür überschwemmt durch die Reizüberflutung der Medien: Pornographie, Gewalt, Horror, Perversion. Mutter war meist berufstätig, das Kind also fremdbetreut mit wechselnden Bezugspersonen. Oft kommen Trennungen, Scheidungen, Ein-Eltern-Familie, neue Partnerschaften, Patchwork-Konstellationen hinzu. Solche Bindungsdefizite schwächen das Urvertrauen und führen zu Bindungsängsten und Bindungsunfähigkeit.
Die „neue Frau“ kann auch nicht im Geschwisterverband diese Defizite wettmachen, sie ist entweder Einzelkind, Halbschwester, Stiefschwester, Patchwork-Kind und das alles nur auf Zeit. Deshalb praktiziert die „neue Frau“ Schmerzvermeidung und Enttäuschungsprophylaxe in Beziehungen, sie lässt sich nicht mehr tief auf einen anderen Menschen ein.
Dennoch hat sie große Ansprüche an den Partner. Er soll ihr alles geben, was sie seit der Kindheit schmerzlich vermisst: Geborgenheit, Wärme, Halt, ständige Gegenwart, Versorgung. Da sie keine echte Erfahrung dessen hat, was ihr fehlt, greift sie zu Ersatzgefühlen aus dem Fernsehen – und verwechselt das flüchtige Gefühl der Leidenschaft mit der Haltung des Liebens. Liebe ist für sie daher kein Zustand von Dauer. Die Folge: Liebe muss erstmal probiert werden, häufig wechselnde Partnerschaften werden als normal angesehen. Sie will Genuss sofort.
Grundlegendes geistiges Muster der „neuen Frau“ ist: Sie kennt nicht den Unterschied zwischen „gut fühlen“ und „gut sein“. Orientierung an objektiven Maßstäben, die zum Gutsein (früher: zur Tugend) führt, wird abgelehnt. Es gilt der reine Subjektivismus, „Gut-drauf-sein“ ist letztes Ziel und höchstes Gebot. Eine Schwangerschaft ist in den Augen der „neuen Frau“ nur störend: „'Das' muss weg". Ein Schuld-oder Verantwortungsbewusstsein fehlt. Die Beraterin muss praktisch bei null anfangen.

